Biobäuerin Claudia Resthöft und ihre Mitarbeiter haben in Elmenhorst zwei neue Sorten kreiert

Elmenhorst. Start ins neue Hofkäsejahr: Acht Landwirtschaftsbetriebe entlang der Milch- und Käsestraße in Mecklenburg-Vorpommern sind gestern mit einem „Tag der offenen Tür“ in die Saison gestartet. Er bot Besuchern die Gelegenheit, die Höfe in Augenschein zu nehmen und sich schlau zu machen, wie Käse eigentlich hergestellt wird. Der Alte Pfarrhof in Elmenhorst gehörte dazu.


Die OZ traf sich mit Biobäuerin Claudia Resthöft (51), der „Hofherrin“, an der Käsetheke.

Ein guter Käse muss stinken, heißt es landläufig. Ist da was dran?
Claudia Resthöft: (lacht) Da fragen Sie die Falsche. Ich mag den so genannten Babykäse, also den Milden. Der riecht auch nicht streng, ist kein ’Stinkerkäse’. Dazu zählen die herzhaften Käsearten. Wir produzieren zum Beispiel den ’Küstenländer’, einen Schnittkäse, der teilweise auch in unserer Hofkäserei bis zu einem Jahr gelagert wird. Dieser lange Reifeprozess steigt garantiert jedem in die Nase. Viele Kunden fragen explizit nach solchem Käse. Sie essen herzhaft.

Wie viele Käsesorten haben Sie denn im Angebot?
Die Anzahl der Sorten habe ich aus dem Stegreif gar nicht parat. Wir produzieren fünf Käsearten – den Hart-, Schnitt-, Rotwein-, Frisch- und Weichkäse. Bei den Sorten, die aus den einzelnen Käsearten hergestellt werden, ist Vielfalt angesagt. Nehmen wir als Beispiel den Schnittkäse. Den gibt es in verschiedenen Varianten – unter anderem mit Bärlauch, Kerbel, Möhre oder Mäher-Gartenkräuter und mit Dill.

Gibt es auch neue Gaumenkitzel zum Saisonstart an der Elmenhorster Käsetheke?
Wir haben unsere Kreativität in den Wintermonaten in unserer Käseküche ausgelebt. Das Ergebnis heißt „Rote Rolle“ und „Pfefferfladen“. (Holt ein Brett mit Probierhäppchen und lädt zum Kosten ein). Wir haben zwei neue Käsesorten kreiert, mit denen wir in die Saison starten. Die „Rote Rolle“ ist ein Frischkäse mit Paprika, der „Pfefferfladen“ ein Frischkäse, der mit Pfeffer ummantelt ist.

Der Käse wird auf dem Alten Pfarrhof aus selbst erzeugter Milch hergestellt. Wie viele „Milchproduzenten“ halten Sie?
44 Milchkühe sind unsere Lieferanten. Davon werden 38 gemolken. Sechs Kühe genießen gegenwärtig Mutterschutz. Für den Nachwuchs sorgt ein Bulle, der zum Viehbestand des Hofes gehört.

Der gestrige Tag wurde als Start ins Hofkäsejahr bezeichnet. Ist das für den Alten Pfarrhof überhaupt zutreffend, schließlich müssen Kühe doch auch im Winter gemolken werden?
Das ist richtig. Auch wenn in der kalten Jahreszeit die Milchmenge geringer ist, steht die Produktion bei uns nicht still. Da unterscheiden wir uns auch vom Gros der Höfe und Hofkäsereien, die zur Milch- und Käsestraße gehören und im Verband für Handwerkliche Milchverarbeitung organisiert sind. Die meisten Höfe haben Ziegen und Schafe, die im Winter trocken stehen. Das heißt, sie werden nicht gemolken. Auf diesen Höfen läuft die Produktion im Frühjahr wieder an. Dort beginnt also jetzt das neue Käsejahr, dessen Auftakt immer mit dem „Tag der offenen Tür“ gefeiert wird.

Früher war für Landwirte, die Milchkühe hielten, Urlaub ein Fremdwort. Gilt das für Sie als Biobäuerin, die Kuhmilch produziert und weiterverarbeitet, heute noch?
Zum Glück nicht. Bei acht Mitarbeitern auf dem Hof kann die Arbeit im Winter schon so aufgeteilt werden, dass auch ich mal ausspannen und Urlaub machen kann. Ich fahre mit meinen zwei Jungs immer in die Skiferien. Diesmal waren wir im Harz.

Der Alte Pfarrhof hat trotz durchgängiger Produktion beim Start ins neue Hofkäsejahr mitgemacht. Was markiert für Sie denn den Saisonauftakt?
Der Weideauftrieb. Auch gestern konnten die Kühe auf dem Hof den Stall nach langem Winter endlich wieder verlassen. Es sind doch Freilandtiere. Den Weideauftrieb haben wir zelebriert. Das ist für mich ein emotionaler Moment und das Symbol für den Saisonstart.

Im vergangenen Jahr haben Sie nicht nur Käseliebhaber, sondern auch Scharen von Fotografen nach Elmenhorst gelockt. Erstmals haben Sie auf einer Fläche von sechs Hektar Mohn zur ökologischen Saatgutgewinnung angebaut. Ist das Experiment gelungen?
Auch wenn der Lohn für die Arbeit noch nicht eingetroffen ist, sprich das Geld für das Saatgut, das an einen Händler in Süddeutschland gegangen ist, bin ich zufrieden. Finanziell dauert das etwas länger, weil die Keimfähigkeit des Saatgutes noch geprüft werden muss. Mit dem Experiment haben wir dazu beigetragen, dass MV bienenfreundlicher wird. Zum einen haben sie Nahrung auf den Anbauflächen gefunden. Anderseits soll das gewonnene Saatgut wieder nach MV zurückkommen und hier eingesetzt werden.

Wieviel wurde denn vom Blumenfeld geerntet?
Der Drusch des Mohnfeldes hat 1000 Kilogramm Saatgut eingebracht. Hört sich nach nicht viel an. Aber Samen sind ja Fliegengewichte.

Werden Besucher des Alten Pfarrhofes in diesem Jahr wieder rot sehen?
In diesem Jahr nicht. Da klappt es mit einer Wiederholung des Experiments nicht. Das Rot verliere ich aber nicht aus dem Auge. Eine Wiederholung ist geplant.

Interview: Udo Burwitz


Der Bio-Hof

7 Mitarbeiter sind auf dem Alten Pfarrhof in Elmenhorst beschäftigt und kümmern sich mit „Hofherrin“ Claudia Resthöft um die Milch- und Käseproduktion.
44 Milchkühe werden auf dem Bio-Hof gehalten.
214  Hektar Fläche gehören zum Hof. Darauf wird unter anderem Brotgetreide angebaut – Dinkel, Roggen und Weizen.

FOTO: RAIK MIELKE

Artikel der OZ (Lokal Grimmen) vom 30.04.2018