Bestes Mostjahr seit 2007: In der Elmenhorster Mosterei von Familie Derer läuft die Saftpresse auf Hochtouren. Acht Tonnen Äpfel
werden täglich verarbeitet.

Elmenhorst. Auf dem Hof der Mosterei von Familie Derer rangieren etliche Autos mit Anhängern voller Äpfel. Es herrscht Hochsaison in der Mosterei. Mitarbeiter flitzen eilig über das Gelände. Seit dem Jahr 2007 habe es kein so gutes Erntejahr mehr gegeben, sagt Chefin Birgit Derer, während sie mit einer Sackkarre vier Kisten Saft zu einem parkenden Auto fährt.

Reinhard Howe aus Greifswald gehört zu den Wartenden in der Schlange. In seinem Kofferraum steht seine Ernte, die er sicher in Körben verpackt hat. „Ach, ich hab nur einen 300 Quadratmeter großen Garten. In den vergangenen Jahren haben wir die Äpfel selbst gegessen oder verschenkt.“ Doch in diesem Jahr möchte das Ehepaar Howe frisch gepressten Saft für die Enkelkinder parat haben. Auch wenn die Ausbeute im Vergleich zu manch’ anderem Wartenden eher gering ist. „Meine Frau schätzt, dass es nur fünf Kilo sind“, sagt er lächelnd. Aber Marita Howe hat sich verschätzt.

Die Waage der Mosterei bedient Jeannette Drews. Mit mehr als 400 Kilogramm Äpfeln seien viele Hobbygärtner in den vergangenen Wochen auf den Hof gefahren. „Manchmal bringen die Leute uns aber auch nur zwei Eimer voll.“ Im Fall von Familie Howe sind es 43 Kilo. „Siehst du“, sagt Reinhard Howe etwas vorwurfsvoll zu seiner schlecht schätzenden Ehefrau: „Lohnt sich doch.“ Jeannette Drews notiert die Zahl auf einem Zettel und sagt zu ihren Kunden: „Jetzt dürfen Sie sich ihren Saft dort vorn im Geschäft aussuchen.“ Für drei Kästen zahlen sie 30 Euro. So einfach kommt man in der Mosterei in Elmenhorst zu frischen Getränken.

Für Johannes Derer und seinen Vater bedeutet das viel Arbeit. Morgens um 5 Uhr beginnt ihr Arbeitstag. Um 23 Uhr machen sie Feierabend. Acht Tonnen Äpfel durchlaufen zurzeit täglich die verschiedenen Stationen. Die Äpfel von Familie Howe werden zwei bis drei Tage eingelagert bevor sie von Elke Kruse und Daniel Skirka unter freiem Himmel sortiert werden. Danach werden
die gesunden Früchtchen gewaschen und laufen in einer Mühle, dem sogenannten Apfelmuser, ein. Dort zerschlagen unzählige kleine Hämmerchen aus Edelstahl die Äpfel und machen aus ihnen eine Maische. „Über Rohre wird die Maische nach oben gepumpt und auf ein Pressband aufgetragen“, erklärt Johannes Derer.

Der 35-Jährige erlernte den Beruf des Fruchtsafttechnikers. Nur 45 Lehrlinge in ganz Deutschland habe es in seinem Ausbildungsjahr gegeben. „Hätte ich die Firma meiner Eltern nicht übernehmen wollen, hätte mein Vater nicht mehrere 100 000 Euro in neue Maschinen investiert.“ Die Nachfolge ist also gesichert. Im Jahr 1988 kaufte Klaus-Dieter Derer die Firma, in der er zuvor vier Jahre lang angestellt war. Die Wendezeit sei hart gewesen.

Die Äpfel sind mittlerweile in der Bandpresse angelangt. Der Saft läuft in einen riesigen Auffangbehälter. Zurzeit laufe die Maschine auf Hochtouren. „Sonst kommen wir nicht hinterher.“ Am Ende verlässt das ausgepresste Fruchtfleisch auf einem Fließband die Mosterei – es wird Trester genannt und von Bauern gern zum Düngen ihrer Felder genutzt.

Reinhard Howe fällt die Wahl in dem kleinen Saftladen derweil etwas schwer. Es sind zu viele Sorten. „Aber es muss ja nicht immer Apfelsaft sein“, sagt er. 27 verschiedene Sorten führt die Mosterei, dazu drei Sorten Wein und frisch gebrannten Obstler. Eigentlich sollte seine Frau die Sorten auswählen, doch nun übernimmt Reinhard Howe das Wort: „Vier Mal den Holundersaft bitte. Der ist gut für die Kinder, wenn sie mal fiebrig sind. Und Apfelsaft, den lieben sie nämlich.“

Carolin Riemer

FOTO: Carolin Riemer

Artikel der OZ (Lokal Grimmen) vom 10.10.2018