Während der Bauarbeiten an der Straße Neu Elmenhorst führt eine Ausweichstraße für Milchtransporter, Feuerwehr und Anwohner quer über die Felder Elmenhorsts. Die Feuerwehr fuhr Probe und kam zu einem eindeutigen Urteil.

Elmenhorst.  Ein Straßenhobel und eine 14 Tonnen schwere Walze rollen am Haus von Adelgunde Nippold vorbei. „Dass ich das noch erleben darf“, sagt die 86 Jahre alte Dame. Sie und ihre Nachbarn hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben, dass die Straße Neu Elmenhorst saniert wird. Vier prall gefüllte Ordner besitzt Bürgermeister Rudi Wendorf (CDU) mittlerweile. Sie dokumentieren den regen Schriftverkehr mit den Behörden in den vergangenen sieben Jahre. Die Fördermittel für die fast eine halbe Million Euro teure Straße ließen mehr als sieben Jahre lang auf sich warten.

Stoßdämpfer der Autos litten genau wie Anwohner

Nun aber rollen die schweren Maschinen der Firma „Badke Baustoff“ aus Brandenburg über die Buckelpiste. Anfang der 1980er Jahre entstand hier ein Plattenweg, doch mittlerweile leben 16 Familien in ihren Häusern entlang der Straße. Eine echte Straße sei längst überfällig gewesen, sagen die Anwohner. Auch die Agrargesellschaft Elmenhorst nutzt den Weg. „Ich hatte diese Rumpelpiste so satt“, sagt Anwohner Heinz Wichmann: „30 Jahre nach Wende, es wurde Zeit, dass sich hier etwas ändert.“ Die Stoßdämpfer der Autos litten genau wie die Anwohner. Heinz Wichmann ist froh, dass der Bürgermeister so lange für den Baustart kämpfte. „Das haben wir nur seinem Ehrgeiz zu verdanken.“

498 000 Euro kostet der Umbau zur asphaltierten Straße. Die Gemeinde zahlt einen Eigenanteil von lediglich 25 000 Euro. Und die Anwohner sind von den Straßenausbau-Beträgen befreit. Noch vor wenigen Monaten, vor Erlass des neuen Gesetzes, hätten sich die 16 Familien 24 800 Euro teilen müssen – etwa 1550 Euro wären das pro Grundstück gewesen. Diese Kosten übernimmt nun das Land.

Eine Umgehungsstraße quer über die Felder

Die alten Platten wurden in den vergangenen Wochen zurückgebaut und erfüllen nun einen neuen Zweck. Damit die großen Fahrzeuge der Agrargesellschaft auch während der Bauzeit ihre Milch zu den Abnehmern liefern können, wurde eine Umgehungsstraße gebaut. Quer über die Felder verläuft sie nun. Sie ist nicht nur für die Milch-Transporter und Landwirtschaftsmaschinen enorm wichtig, sondern auch für die Rettungsfahrzeuge. Die Feuerwehr machte Probefahrten über die Felder, um sicher zu gehen, dass sie im Notfall auch das entfernteste Grundstück schnell erreichen können. Alles klappt, die Organisation empfindet auch Anwohner Uwe Krüger als beispielhaft: „Hier ist jeder auf alle Eventualitäten eingestellt.“

Mitte Juli sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und aus der Buckelpiste eine drei Meter breite Fahrbahn und ein ein Meter breites Bankett entstanden sein. Insgesamt ergibt sich so ein vier Meter breiter Fahrstreifen auf 1620 Metern Länge. Zurzeit laufen die Fortschritte auf der Baustelle schneller, als es der Zeitplan erlaubt. Ruhen die Arbeiten in den kommenden Tagen, dann nur, weil die Arbeiter auf ein spezielles Baufahrzeug warten müssen. Davon besitzt die Baufirma nämlich nur eines und das ist zurzeit auf einer anderen Baustelle im Einsatz.

Vom Modderloch zur echten Straße

Mitte Mai, wenn die Betonspur gemacht wird, gilt für etwa zehn bis zwölf Tage ein absolutes Fahrverbot, auch für die Anwohner. „Dann nutzen wird die Ausweichstrecke“, sagt Uwe Krüger gelassen. Außerdem habe die Gemeinde im Vorfeld für mehrere Parkplätze gesorgt, auf denen die Anwohner in der Nähe ihrer Grundstücke parken können. Uwe Krüger, der seit 1981 an der Straße Neu Elmenhorst wohnt, kennt den Weg noch als „unbefestigtes Modderloch“. „Danach kam der Plattenweg und jetzt wird’s eine echte Straße. Es geht voran und wird immer besser“, sagt er lachend.

Carolin Riemer

FOTO: CAROLIN RIEMER

Artikel der OZ (Lokal Grimmen) vom 14.05.2019