Ein DKW F8 wurde in der Elmenhorster Sattlerei Lahs aufgehübscht / Die Arbeiten dauerten drei Monate

Elmenhorst. Was so ein wenig Farbe doch ausmacht! Noch vor drei Monaten sah der DKW F8 grau und unansehnlich aus. Heute ähnelt die Karosse schon mehr einem Liebhaberstück: Das Dach glänzt schwarz, die Verkleidung in beige und rot macht auch was her und lässt in dem Kleinwagen, den die Auto Union ab 1939 baute, schon den schnieken Oldtimer erahnen, der er einmal sein wird.

Für die Sattlerei Lahs aus Elmenhorst war es bereits der zweite „Oldie“, der in diesem Jahr in ihrer Werkstatt aufgemöbelt wurde. Doch auch wenn Karsten und Mathias Lahs als Spezialisten in Sachen Oldtimer gelten, ist doch jedes Auto für sie eine neue Herausforderung. „So etwas wie Standard gibt es nicht, Auto ist nicht gleich Auto“, sagt Sattler Karsten Lahs. Die Holzkarossen seien nie hundertprozentig gleich. Schon gar nicht dann, wenn die Besitzer in Sachen Rekonstruktion bereits selbst Hand angelegt haben. „Im Grunde wissen wir vorher nie, was uns erwartet“, so Lahs.

Wie im Falle des um die 70 Jahre alten F8. Für die Elmenhorster Profis sah es so aus, als stammten nicht alle Teile aus einer Baureihe. „Wir müssen dann irgendwie sehen, wie wir das hübsch verstecken“, sagt Lahs. Einfach so, nach Schema F, funktioniere das nicht. Jedes noch so kleine Detail muss berücksichtigt werden. Ein wenig vergleicht er seine Arbeit mit der eines Malers: „Wenn Maurer, Elektriker und sonstige Installateure ihre Arbeiten verrichtet haben, kommt der Maler. Er ist der letzte Handwerker und wenn er das Haus verlässt, soll alles topp aussehen.“ So sei es hier auch – es soll perfekt aussehen, auch wenn an der Karosse im Vorfeld vielleicht nicht immer originalgetreu gearbeitet wurde.

Am Nebentisch fertigt Sohn Mathias eine Schablone für die Tür an, die mit beigefarbenem und rotem Vinylleder bezogen werden soll. „Wir versuchen immer, Material zu bekommen, das dem Original nachempfunden ist“, sagt Lahs und zeigt auf die Lederprägung. Doch am Ende sei der Kunde König. Der Besitzer des F8 zum Beispiel wünschte sich die Farbe Rot. Zwar seien damals bei der Verkleidung der Holzkarossen mit Kunstleder auch Rottöne verwendet worden, die aber eher ins Bräunliche gegangen seien. „Den Farbton, den der Kunde wollte, gab es zu der Zeit, als der F8 hergestellt wurde, so jedoch nicht“, hat Lahs recherchiert.

Noch in dieser Woche möchte der Eigentümer seinen F8 in Elmenhorst abholen. Auch wenn Vater und Sohn Lahs dem Oldie eine hübsche Außenhaut und eine tolle Innenauskleidung verpasst haben – fahrbereit ist er noch lange nicht. Motor und Fahrgestell fehlen noch komplett. Eines Tages aber wird er, da sind sich die Elmenhorster Sattler sicher, als schnieker Hingucker über die Straße rollen.

Auch wenn der DKW F8 dieser Tage die Sattlerwerkstatt verlässt, werden Karsten und Mathias Lahs keine Langeweile haben. Die nächsten Anfragen liegen bereits auf ihrem Tisch. Ein Audi 100 benötigt neue Sitze und ein F8 Kombi sowie eine Corvette sollen wieder flott gemacht werden und eine Elmenhorster Schönheitskur erhalten.


Der DKW F 8 fand einen Nachfolger in der DDR

  • 12 Jahre gibt es die Polsterei und Sattlerei von Karsten Lahs in Elmenhorst.
  • Sohn Mathias Lahs stieg vor sieben Jahren mit ein.
  • In der Elmenhorster Werkstatt werden neben der Restaurierung und Reparatur von Oldtimern und Möbeln auch Punzierarbeiten auf Leder ausgeführt.
  • Der DKW F8 wurde von der Auto Union im Februar 1939 auf den Markt gebracht.
  • Nach 50000 gebauten Fahrzeugen endete 1942 kriegsbedingt die Produktion.
  • Der IFA F8 wurde als Weiterentwicklung des fast baugleichen F8 zwischen 1949 und 1955 vom Industrieverband des Fahrzeugbaus der DDR in Zwickau hergestellt.
  • Die Technik des IFA F8 war die Grundlage für die des P70 und den Trabant. Claudia Noatnick

FOTO: CLAUDIA NOATNICK

Artikel der OZ (Lokal Grimmen) vom 12.10.2017