Foto: Claudia Noatnick

Artikel der OZ - Lokal Grimmen vom 06.04.2017

Elmenhorst. Die Bänke aus Holz. Darauf Schaf-Felle. Auf den Tischen bemalte Henkeltassen mit Wiesenblumen. Durch ein Fenster schaut man direkt in den Kälberstall. Eine Theke, ein paar Hocker, ein Bollerofen: fertig. Wer den kleinen Hofladen des Alten Pfarrhofs in Elmenhorst betritt, erlebt bäuerliche Gemütlichkeit. Ein Geheimtipp ist der Laden aber längst nicht mehr. Freitags geben sich hier die Kunden die Klinke in die Hand. Wenn Claudia Resthöft, Biobäuerin und Besitzerin des Alten Pfarrhofs, die Türen öffnet, geht es zu wie im Taubenschlag.

13 verschiedene Hart- und Schnittkäsesorten und vier Weichkäsekreationen bietet sie an. Dazu mehrere Sorten Joghurt, Quark, Butter, frische Kuhmilch, Wurst, Fleisch und verschiedene Sorten Brot. Hergestellt wird alles direkt vor Ort – von Claudia Resthöft und ihren Mitarbeitern. Und das kommt an: „Manchmal werden wir regelrecht überrannt“, sagt die 49-Jährige und wirkt noch immer überrascht.

Ihr Konzept zielt nicht nur auf das Einkaufen im Pfarrhofladen, sondern auch auf das Erlebnis und vor allem das Miteinander. „Die Kunden kommen zu uns nicht nur, um Käse, Milch oder Joghurt zu kaufen. Sie sind auch sehr interessiert an dem, was auf dem Pfarrhof geschieht“, sagt Claudia Resthöft. Immer wieder kommt die Bio-Bäuerin ins Gespräch mit den Kunden, beantwortet Fragen zur Landwirtschaft, zu den Tieren auf dem Hof, zur Produktion in der hofeigenen Käserei.

Irgendwann hatte sie die Idee, ihren Laden aufzupeppen. Statt des kleinen, engen und wenig ansprechenden Büdchens, in dem auch schon früher ihre Hoferzeugnisse verkauft wurden, können sich die Kunden seit Januar in einem hellen geräumigen Laden mit den Hofprodukten eindecken.

In der Ladentheke liegen runde Käselaibe. Wurst und Fleisch kann aus einem Kühlschrank nebenan entnommen werden, Frischmilch gibt es aus der „stählernen Kuh“. Aus diesem Minitank füllen sich die Kunden die Milch selbst in Flaschen ab. Es gibt frisch gebackenes Brot und einen kleinen Plausch mit der Verkäuferin. „Dieser direkte Draht zu den Kunden ist uns sehr wichtig“, sagt Claudia Resthöft.

Zwar beliefert sie auch Naturkostläden in Stralsund und Greifswald, hat Anfragen aus Binz und Thiessow auf dem Tisch. „Noch wichtiger ist es für mich aber, für die Menschen vor Ort da zu sein“, sagt sie. Mit ihrem Hofladen, der demnächst um ein kleines Café erweitert wird, will sie der Verarmung des ländlichen Raumes entgegenwirken. Allein Elmenhorst musste in diesem Jahr schon zwei heftige Einschnitte hinnehmen. So gab Anfang Januar die Sparkasse die Filiale im Ort auf, wenig später schloss die Zahnarztpraxis. Dass es aber auch vorangehen kann, dass Strukturen auch auf dem Dorf wachsen können, dafür möchte sie mit ihrem Hofladen und dem Café stehen.

Gerade weil die Biobäuerin etwas für die Landbelebung tut, bekam sie eine Förderung aus dem Programm „Landaufschwung“. „Hätten wir die nicht gehabt, wäre das alles hier kleiner ausgefallen“, sagt Claudia Resthöft, die mit ihren sechs Mitarbeitern täglich auch den normalen Landwirtschaftsbetrieb stemmen muss: 40 Milchkühe und Kälber sowie einige Schweine müssen versorgt, die Ackerflächen bestellt, die hofeigene Käserei sowie die Bäckerei betrieben werden. Jammern, das möchte sie – gerade mit Blick auf die Milchkrise – nicht. Im Gegenteil. Ihr geht es darum, die Milchproduktion auf ihrem Hof zu intensivieren und zu diversifizieren. „Wir wollen das, was wir hier machen, gut machen, wollen authentisch bleiben“, sagt sie. Reich werde sie dabei nicht – jedenfalls nicht finanziell.

Aber sie ist zufrieden – weil ihre Kunden es sind. Zu denen unter anderem auch Elmenhorsts Bürgermeister Rudi Wendorf zählt. „Meine Milch kaufe ich nur in unserem Hofladen. Die schmeckt hervorragend und ist mit der Milch aus dem Supermarkt nicht zu vergleichen“, schwärmt das Gemeindeoberhaupt.

Der Alte Pfarrhof im Überblick

40 Milchkühe stehen derzeit in den Ställen des Alten Pfarrhofes in Elmenhorst.

170000 Liter Milch werden auf dem Biohof pro Jahr produziert.

Etwa ein Viertel davon wird auf dem Hof direkt zu Käse, Quark und Joghurt verarbeitet. Den Rest verkauft Claudia Resthöft an die Gläserne Meierei in Dechow am Schaalsee.

13 verschiedene Hart- und Schnittkäsesorten sowie 4 unterschiedliche Weichkäsekreationen werden in der Käserei des Alten Pfarrhofs hergestellt.

Neben der Viehzucht wird in Elmenhorst auch Ackerbau betrieben. So stammt das Mehl für das im Hofladen verkaufte Brot vom eigenen Getreideanbau.

Der Hofladen ist derzeit Freitags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Geplant ist, den Laden zukünftig dreimal wöchentlich zu öffnen.

Das Hofcafé wird am 23. April eröffnet.

7 Mitarbeiter sind auf dem Biohof beschäftigt.

Claudia Noatnick