FOTO: CLAUDIA NOATNICK

Artikel der OZ - Lokal Grimmen vom 07.08.2017

Mit ihrem Feld voller Wildblumen ging Biobäuerin Claudia Resthöft aus Elmenhorst ein großes Risiko ein

Elmenhorst. Gierig wie die scharfen Zähne eines Raubtieres in seine Beute schlägt das Schneidwerkzeug des Mähdreschers mit seinen Zacken in die dürren Halme. Meter um Meter fällt durch die Maschine. Es läuft die Mohn-Ernte auf den Feldern in Krummenhagen. Claudia Resthöft, Biobäuerin aus Elmenhorst, ging das Wagnis ein, hier auf rund 17 Hektar Land statt Dinkel oder Kleegras verschiedene Mohnblumenarten sowie Kornblumen wachsen zu lassen. Deren Samen werden nun eingefahren.

Die Ernte der Wildblumen, die zu ihrer Blütezeit im Mai und Juni für Begeisterung bei Naturliebhabern sorgten, gestaltet sich zwar nicht kompliziert, aber eben doch anders als auf üblichen Getreidefeldern. „Unter anderem mussten wir den Mähdrescher anders einstellen“, erklärt Marvin Düwert, der die Erntemaschine nun über die einst leuchtend roten Felder lenkt. „Wir mussten an der Technik ordentlich herumschrauben. Einiges war nicht ganz passig und auf dem Acker musste auch noch einmal nachjustiert werden“, erzählt Claudia Resthöft. Unterstützung erhielten die Elmenhorster von Detlef Hack, Biobauer aus Schleswig-Holstein. Er war auch derjenige, der Resthöft davon überzeugt hatte, ihren Acker den Wildblumen zu überlassen, später abzuernten und den Samen an eine Saatgutfirma zu verkaufen.

Mähdrescherfahrer Marvin Düwert erntet zum ersten Mal Blumen in diesem Ausmaß. Während er seinen Stahlkoloss über das abgeblühte Mohnfeld lenkt, schaut er immer wieder besorgt auf die rotierende Schnecke – eine Art Kurbelwelle. „Ein paar Mal mussten wir sie schon von Zaunwicken befreien, die sich fest drumgewickelt hatten“, erzählt er. Auch das Abtanken – also das Abladen der Samen – gestalte sich schwierig. Während bei einer Getreideernte ein Traktor mit Anhänger neben dem Mähdrescher fährt und das bereits gebunkerte Korn während des Dreschens übernimmt, muss das bei der Mohn-Ernte im Stand passieren. Das Erntegut klebt im Bauch des Mähdreschers und muss von Marvin Düwert während der so genannten Abtankstopps mit langen Stangen gelockert werden, damit es komplett über das Abtankrohr in den Hänger des Traktors geblasen werden kann.

Die Samen der Mohn- und Kornblumen werden zunächst in einem Spezialcontainer gebunkert, in dem es zugleich mittels eingeblasener Luft getrocknet wird. „Jetzt sind die Container abgeholt und zu Detlef Hack auf den Lämmerhof nach Schleswig-Holstein gebracht worden“, erzählt Claudia Resthöft. Beide Biobauern arbeiten seit Jahren zusammen. So wird unter anderem das auf ihren vorpommerschen Feldern geerntete Getreide auf seinem Hof getrocknet, aufbereitet und an Biobäckereien im Norden abgegeben. Auch die Wildblumensaat wird nun bei Hack fertig aufbereitet und später an Saatgutfirmen verkauft.

Claudia Resthöft, die als Unternehmerin mit diesem Experiment ein wirtschaftliches Risiko einging, kann nach der Ernte der Mohnfelder schon etwas besser schlafen. „Vom Gefühl her denke ich, dass es eine recht gute Ernte geworden ist“, zeigt sie sich zuversichtlich. Wie viele Tonnen sie am Ende von ihren Feldern hat einfahren können, wird sie allerdings erst in einigen Tagen wissen. „Ich könnte mir aber schon jetzt vorstellen, so etwas noch einmal zu machen“, sagt sie. Sollte ein Saatguthändler bei ihr Bedarf an Wildblumensamen anmelden, werde sie ihn gern beliefern. Auch, um mit ihren Produkten im Geschäft zu bleiben.


Schutz von Wildblumen
  • 17 Hektar Land – auf dieser Fläche ließ Biobäuerin Claudia Resthöft von Alten Pfarrhof aus Elmenhorst Mohn- und Kornblumen wachsen.
  • Kürzlich wurden die Wildblumenfelder bei Krummenhagen abgeerntet.
  • Abnehmer der Saat ist ein Wildblumensaathandel.
  • Die Blühmischungen aus Regio-Saatgut werden auch nach Mecklenburg-Vorpommern verkauft.
  • Neben der Werbung für den Schutz von Ackerbegleitpflanzen auf den Feldern wird damit auch der Absatz der wertvollen Vielfalt dieser einmaligen Äcker bei Krummenhagen gesichert

Claudia Noatnick