Der Abtshäger Hort zu Gast im „Alten Pfarrhaus“ in Elmenhorst / Käse-Schule zukünftig öfter

Elmenhorst. Mit erhobenen Händen stehen die Hort-Kinder aus Abtshagen vor der Käsetheke. Das gehört zu der Lehrstunde in der „Hof-Käse-Schule“, zu der der „Alte Pfarrhof“ in Elmenhorst die Kinder eingeladen hat. Wer Käse machen will, muss saubere Hände haben. Im nächsten Arbeitsschritt wollen sie die weiße Masse anschneiden.

Aber bis dahin wird etwas Arbeit nötig sein. Noch stehen auf den Tischen im Begegnungshaus noch Edelstahlschüssel und ein paar Plastik-Werkzeuge. Sara (6), Matti (7), Sophia (8) und die anderen Kinder aus dem Abtshäger Hort tummeln sich am Waschbecken. „Die Hygiene ist sehr wichtig“, erklärt Josefine Kümpers (23) vom „Alten Pfarrhof“, die den angehenden Käse-Profis die Handwerkskunst beibringt.

„Wir wollen Bauernhof erlebbar und anfassbar machen“, sagt Claudia Resthöft, Chefin auf dem Bio-Hof. Denn viele Kinder – und auch Erwachsene – wüssten gar nicht mehr, was man aus Milch alles machen könne. Josefine Kümpers und Anke Thätner (43) wurden eigens zu Käserinnen ausgebildet und geben ihr Wissen nun weiter – bisher nur auf Hoffesten, bald auch regelmäßig im Begegnungshaus.

Natalia steckt vorsichtig einen Finger in die Käsemasse. „Sehr glibberig“, findet die Achtjährige. Milch und Lab haben sie zuvor vermischt. Dann musste sie wieder etwas geduldig sein. Warten gehört zum Käse machen dazu. „Man muss sehr geduldig sein“, erzählt Wilhelm (10) von seinen ersten Erfahrungen im Molkerei-Handwerk. Der noch nicht fertige Käse fühle sich noch wie Wackelpudding an.

„Hände in die Luft“, lauten Kümpers Anweisung. Gleich soll der „Wackelpudding“ angeschnitten werden, um anschließend erhitzt zu werden. Dann löst sich die Molke, und es dauert nicht mehr lange, dann ist der „Turbokäse“ fertig. Was normalerweise Stunden, Tage und Wochen dauert, machen die Abtshäger Kinder im Schnellverfahren. Ihre Kreation wird eine Art Frischkäse. „Er schmeckt ein bisschen wie Mozzarella“, berichtet Thomas Lechelt, der den „Bewegten Freizeit-Hort“ Abtshagen leitet. Er kennt das Ergebnis schon. War er doch bereits mit einer anderen Gruppe in der Käserei auf dem „Alten Pfarrhof“.

Mit einem Streichholz entzündet Josefine Kümpers nun kleine Feuer unter den Schalen. Sie sollen den rohen Käse erwärmen. Ein langes Thermometer zeigt die richtige Hitze. „40 Grad“, ruft Natalia. Ein guter Wert. Bevor Messbecher und Kelle zum Einsatz kommen, teilen Josefine Kümpers und Anke Thätner kleine Plastikbecher aus. Die Kleinen dürfen die Molke probieren. „Die schmeckt ein bisschen wie Buttermilch“, sagt Wilhelm. Nicht jedes der Kinder hat sich getraut. Dabei schmecke die Molke wirklich gut, sagt Kümpers. Und: Sie sei außerdem gut für die Haut.

In jeder Ferienwoche versucht Thomas Lechelt, „ein Highlight“ zu veranstalten und einen Ausflug mit den Hort-Kindern zu machen. Käse hat von ihnen noch niemand gemacht. „Ich mag gar keinen Käse“, sagt Sara. „Aber ich probiere trotzdem.“ Allzu lange muss sie nicht mehr warten.

Nächster Arbeitsschritt: Das Abschöpfen der Molke. Anschließend kommt der Käse in Herzchen-Formen und wird mehrfach gewendet. Da die Formen Löcher an der Unterseite haben, verliert der Käse mehr und mehr Flüssigkeit.

Der „Turbokäse“ hat wegen der kurzen Herstellungszeit wenig Eigengeschmack. Denn für den sorgt normalerweise der Reifeprozess. Deshalb veredeln ihn die jungen Käser mit Salz, Kräutern oder einer Mischung aus Chili und Paprika.

„Das ist heute eine sehr lebhafte Gruppe“, sagt Josefine Kümpers. Bisher hat sie solche Schulstunden bloß ein- bis zweimal im Jahr gegeben. Lädt der „Alte Pfarrhof“ künftig öfter ein, kann sie noch mehr Leuten die Kunst des Käsens näherbringen.

Anmeldungen zur Hof–Käse-Schule unter ☎ 038327/80090 oder alterpfarrhof@t-online.de

Philip Schülermann

FOTO: PHILIP SCHÜLERMANN

Artikel der OZ (Lokal Grimmen) vom 17.02.2018