Anwohner der Elmenhorster Dammstraße fordern Maßnahmen gegen Raser / Die Gemeinde scheint machtlos

Elmenhorst. Für Philipp Krüger ist das Maß voll. „Man fühlt sich vor der eigenen Haustür nicht mehr sicher“, schimpft der Elmenhorster. Auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung des Ortes machte er seinem Ärger Luft. Krüger hat ein Häuschen an der Dammstraße in Elmenhorst. Doch genau diese werde, so der junge Mann, oftmals als Rennstrecke missbraucht. „Alt wie Jung rast dort durch, teilweise mit weit mehr als 100 Sachen“, sagt er. Bei erlaubten 50 km/h. Man lebe deshalb da echt gefährlich. Es müsse, so fordert er, unbedingt etwas geschehen.

Dass die lange Dammstraße gern als eine Art Formel-1-Strecke genutzt wird, ist für die Elmenhorster nichts Neues. Ein Gehweg rechts und links der Ortsdurchfahrt – das wäre eine gute Maßnahme, damit sich die Anwohner sicherer fühlen könnten. „Ich kenne das Problem. Aber für einen Gehweg bekommen wir kein Geld. Es ist eine Katastrophe“, sagt Bürgermeister Rudi Wendorf.

Für Philipp Krüger und weitere Anwohner ist dies allerdings eine unbefriedigende Antwort. „Das kann nicht sein, irgendetwas muss doch unternommen werden können“, sagt Krüger und wirft die Frage nach Verkehrskontrollen und sogar einem festinstallierten Blitzer auf. Wenn es sein müsse, werde er mit seinem Anliegen nach Geschwindigkeitsmessung auch Dauergast beim Grimmener Polizeirevier.

Auf Nachfrage der OSTSEE-ZEITUNG beim Landkreis Vorpommern-Rügen war zu erfahren, dass von Seiten der Gemeinde ein Antrag gestellt werden müsste, wenn sie an dieser Straße einen Blitzer aufstellen möchte. „Es wird dann geprüft, ob sich in diesem Bereich ein Unfallschwerpunkt befindet“, erklärt Olaf Manzke, Pressesprecher im Landratsamt. Dazu würde die Unfallstatistik zu Rate gezogen. Sollte sich bestätigen, dass sich in den vergangenen Jahren gehäuft Unfälle ereignet hätten oder sich der Bereich als Verkehrsknotenpunkt erweise, würde die Verkehrskommission zusammenkommen und über Maßnahmen beraten. „Wir dürfen einen Blitzer nämlich auch nicht einfach so irgendwo aufstellen“, so Manzke.

Die Elmenhorster dürften da schlechte Karten haben, da im Bereich der Dammstraße keine schweren Unfälle verzeichnet sind. In diesem Fall bestehe noch die Möglichkeit, einen Antrag auf Geschwindigkeitsbegrenzung wegen unzumutbaren Lärms einzureichen. Doch auch hier werden die Hoffnungen schon im Vorfeld gedämpft. „Dem Verkehrsteilnehmer müsse klar sein, weshalb er an dieser Stelle langsam zu fahren habe“, so Manzke mit Blick auf eventuelle 30-er Zonen.

Übrigens: Bezüglich der Anfrage der Einwohnerin Kristin Hahn, in der Wittenhäger Straße ein zusätzliches Schild zur Verkehrsberuhigung aufzustellen, war aus dem Amt zu erfahren, dass dies möglich wäre, wie Elmenhorsts Bürgermeister Rudi Wendorf mitteilte. Zwar sei der Bereich bereits als 30-er Zone sowie mit dem Verkehrszeichen „Vorsicht! Kinder“ von Amts wegen ausgiebig ausgeschildert, dennoch stehe einem weiteren Verkehrszeichen nichts im Wege. Allerdings müsste dazu ein entsprechender Antrag im Amt eingereicht werden.

Claudia Noatnick


Kommentar
Eine Ortsdurchfahrt ist keine Formel-1-Strecke

Der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen. Der Busfahrer hatte wohl einen schlechten Tag und ist einfach an mir vorbei gefahren. Ausreden kennen wir alle und nutzen sie manchmal auch. Das ist oft Selbstschutz und eigentlich harmlos, wenn auch nicht korrekt. Gar nicht mehr harmlos dagegen ist es, wenn Menschen durch Gedankenlosigkeit in Gefahr gebracht werden. Schild? Welches Schild? Da war keins… Doch spätestens wenn rechts und links der Straße vermehrt Häuser stehen, sollte einem Autofahrer dämmern, dass er sich in einem Ort befindet. Und auch wenn er das Ortseingangsschild übersehen haben mag, gebietet es der gesunde Menschenverstand, den Fuß vom Gaspedal zunehmen. Denn eine Ortsdurchfahrt – ist sie noch so schön gerade und super asphaltiert – ist keine Formel-1-Strecke, auf der man seinem Affen ordentlich Zucker geben kann.

Dass die Elmenhorster Bürger zunehmend genervt sind von der Raserei in ihrem Ort, ist verständlich. Ebenso wie ihre Bitten, endlich etwas gegen die Raserei zu unternehmen, damit sie sich auf den Straßen in ihrem Ort wieder sicher fühlen können. Da jedoch die Amtsmühlen bekanntlich langsam mahlen, werden sie sich wohl vorerst weiter in Geduld und erhöhter Aufmerksamkeit üben müssen. Und auf die Einsicht von Kraftfahrern hoffen, die sich an die Straßenverkehrsordnung erinnern und diese auch einhalten. „Ich will doch nur schnell nach Hause“, gilt nicht als Ausrede. Denn Rücksicht nehmen geht vor und uns alle an. Also: Fuß vom Gaspedal! So kommt jeder ein wenig sicherer nach Hause.

FOTO: CLAUDIA NOATNICK

Artikel der OZ (Lokal Grimmen) vom 27.10.2017