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Artikel der OZ - Lokal Grimmen vom 13/14.05.2017

 

 

 

 

Fast 90 Jahre alter BMW aus Eisenach wird jetzt in Elmenhorster Werkstatt restauriert

Elmenhorst. Nein, wie ein Auto sieht das Gebilde wirklich nicht mehr aus, das jetzt in der Werkstatt der Auto- und Möbelpolsterei Lahs in Elmenhorst steht. Aber es soll wieder ein Schmuckstück werden. So möchte es der Besitzer des Oldtimer-Pkw der Marke „BMW Dixi“ aus Brandenburg. Ende der 1920er-Jahre in Eisenach gebaut, ist das Auto bei Liebhabern und Sammlern inzwischen zum Kultobjekt avanciert. Während die Fahrgastzelle des historischen Automobils in Elmenhorst steht, befinden sich Motorblock und Fahrgestell zur Restaurierung in einer Kraftfahrzeugwerkstatt.

Im zwölften Jahr betreibt Karsten Lahs (56) seine Polsterei und Sattlerei in in Elmenhorst. Sohn Mathias (25) ist seit sieben Jahren dabei und soll die Werkstatt, in der auch Lederarbeiten an Motorrädern vorgenommen werden, irgendwann übernehmen. Für Karsten Lahs ist der „Dixi“ eine neue Herausforderung, obwohl er in seiner Laufbahn wohl schon an die 15 alte Autos polstermäßig wieder hergerichtet hat. „Dieses Auto wurde in Eisenach gebaut, ich schätze um 1928“, sagt Karsten Lahs. „Und es ist zu DDR–Zeiten noch bis 1970 gelaufen“, ist der Experte sicher. „Auf der Frontscheibe klebte eine Plakette ’Lichttest 1970’.“ Später habe der Oldie wohl an die 30 Jahre herumgelegen, in Einzelteilen, vermutet Lahs. Das Auto scheint schon einmal neu aufgebaut worden sein, zudem sind Blechteile angebaut worden. „Im Original war das Auto aus Holz und bespannt mit Kunstleder, innen und außen“, weiß Karsten Lahs. Noch als Original erhalten, wenn auch lädiert, ist das Typenschild.

„Bayerische Motorenwerke A.-G., Zweigniederlassung Eisenach, Type DA 2, Gewicht 470 Kilogramm, Brems-PS 15 743 Kubikzentimeter“ ist auf dem Messingstück zu entziffern. Mit Kunstleder, schwarz und gesteppt, sollen Polster und Verdeck des Dixi nun wieder schick gemacht werden. Die Karosse wird dunkelblau. „Drei Monate haben wir daran bestimmt zu tun, wir können ja nicht ständig nur an dem einen Auto arbeiten “, erklärt Lahs.

Probleme beim Aufbau solcher Oldtimer bereite oft, herauszubekommen, wie die Originale früher wirklich aussahen. Es gebe zwar Fotos vom Motorraum, aber kaum Detailbilder von der Innenausstattung.

„Bei speziellen Sachen sind wir im Austausch mit anderen Handwerksbetrieben“, sagt Karsten Lahs: „Manchmal telefoniere ich zehn Stunden lang und bin dann schlauer – oder auch nicht…“ In der Regel sei die Arbeit an den Oldtimern schon nervenaufreibend: „Man muss viel ausprobieren. Dann wird genäht, genagelt und geklebt.“

Der Dixi-Rumpf, der nun auf einer umgebauten, fahrbaren Krankentrage in Lahs’ Werkstatt steht, ist das zweitälteste Automobil, das im Lauf der Jahre dort bearbeitet wurde. „Das älteste war ein Citroen, Baujahr 1926“, denkt Karsten Lahs zurück. „Und auch der Dixi wird wieder fahren können, irgendwann bestimmt.“ Der nächste Oldie, den das Sattler-Team auf den Tisch bekommt, werde wohl ein „DKW F 8“ sein.

Lahs liebt die Oldtimer: „Autos waren früher schöner, jedes hatte sein eigenes Gesicht“, sagt der Elmenhorster. Und wenn es die Zeit erlaubt, wird er vielleicht auch für sich selbst mal einen Oldie wieder flott machen. „Vielleicht einen Wolga M 21“, verrät Karsten Lahs.

Peter Franke