Auf dem „Alten Pfarrhof“ in Elmenhorst erlernt Klaas Sow aus dem Senegal eine besondere Art der Landwirtschaft. Ab Dezember möchte er sein neues Wissen in der Heimat verbreiten.

Elmenhorst. Es ist die spirituelle Seite der Landwirtschaft, die Klaas Sow (27) aus dem Senegal besonders fasziniert. Der junge Landwirt arbeitet seit etwas mehr als einem Jahr auf dem „Alten Pfarrhof“ in Elmenhorst – und dort wird die Landwirtschaft anders als in konventionellen Betrieben ausgeführt, nämlich nach dem biologisch-dynamischen Prinzip. Die Produkte dürfen den Titel „Demeter“ tragen.

Was das bedeutet, hat Klaas Sow in den vergangenen vier Jahren während seiner Ausbildung auf demeter-geführten Höfen in Deutschland gelernt. Im Dezember geht’s für ihn zurück an die Atlantikküste Afrikas. Dort möchte er mit seinem gewonnenen Wissen einen eigenen Hof, oder besser noch, eine Hofgemeinschaft gründen, die genauso arbeitet wie die Diplom-Agraringenieurin Claudia Resthöft und ihr Team im beschaulichen Elmenhorst.

Das spirituelle Prinzip
Seit 13 Jahren gehört ihr landwirtschaftlicher Betrieb dem Demeter-Bio-Verband an – dem Verband mit den strengsten Regeln überhaupt. Gegen die Auflagen eines Demeter geführten Betriebs wirken die EU-Richtlinien für normale Bio-Höfe eher locker. Biologisch-dynamisch klingt im Ohr des Laien vielleicht nicht spektakulär. Doch es beinhaltet eine Menge an Wissen, Erfahrung und auch an Glauben. Claudia Resthöft steht darüber, wenn einige Kritiker sagen: „Dass unsere Arbeitsweise Spinnerei ist.“ Sie steht voll und ganz zu ihrer Praxis und ihre Erträge und ihr Erfolg geben ihr Recht.

In Elmenhorst werden besonders ursprüngliche Praktiken angewandt, die vor allem artgerecht und der Gesundheit zuträglich sind. Besondere Präparate aus Hornmist und Hornkiesel beleben die Boden-Organismen, machen den Boden fruchtbar und dienen auf diese Weise als Pflanzenstärkungsmittel. Kamille, Löwenzahn und Schafgarbe werden dem Mist, regen dessen Umsetzung an und wirken damit kräftigend auf die Kulturbestände. In den natürlichen Kreislauf in Elmenhorst dringen kaum zugekaufte Betriebsmittel ein. Heißt: Auf den Feldern des „Alten Pfarrhofes“ wird das Futter für die Tiere angebaut, der Mist wirkt auf den Feldern als Dünger und die ermolkene Milch wird in der hofeigenen Käserei tagfrisch verarbeitet. Eine Idylle, die heutzutage schon lange nicht mehr normal ist.

Auch die 40 Milchkühe und der Zuchtbulle auf dem Hof profitieren von dieser Art der Landwirtschaft. Sie dürfen ihre Hörner behalten. Klingt normal, ist in den meisten Betrieben jedoch alles andere als das. Den Kälbchen werden schon früh die Hornanlagen entfernt, weil sie sich oder die Landwirte verletzen könnten. Zu Claudia Resthöfts Lehrzeiten geschah das noch ohne Betäubung. Als Azubi lernte sie die schmerzhafte Prozedur aus nächster Nähe kennen, musste oft stundenlang im Stall die Kälber auf Nachblutungen kontrollieren. „Damals fasste ich den Entschluss: Wenn ich meinen eigenen Hof habe, gehe ich anders mit meinen Tieren und auch der Natur um.“ Sie hielt ihr Wort. Und nicht nur das: Sie gibt es auch weiter. Jetzt sogar bis nach Afrika.

Der Azubi aus Afrika
Klaas Sow möchte diesen respektvollen Umgang mit Tier und Natur in seine etwa 4640 Kilometer entfernte Heimat transportieren. Die Situation der Landwirte ist im Senegal schwierig geworden. Kleine Bauernhöfe arbeiten nach dem traditionellen Prinzip und somit ganz automatisch so wie es in Deutschland bio-zertifizierte Betriebe tun. „Doch sie können nicht davon leben und werben auch nicht mit einer Bio-Marke. Für die Bauern ist diese Wirtschaftsweise normal“, sagt Klaas Sow. Zur Normalität sei in den vergangenen Jahren auch geworden, dass große landwirtschaftliche Unternehmen von Europäern betrieben werden. „Und diese verwenden überwiegend Pestizide.“ Ein weiteres Problem sei, dass afrikanische Bauern beispielsweise Zwiebeln anbauen, jedoch große Mengen dieses Gemüses aus Spanien importiert und billiger auf den Märkten angeboten werden als die der einheimischen Farmer. „Das macht unsere Wirtschaft kaputt und hat zur Folge, dass kaum ein junger Mensch diesen Beruf ergreifen möchte. Sow möchte das ändern. Er will zeigen, dass man von der Landwirtschaft auch in einem Land leben kann, in dem es maximal vier Monate mit Chancen auf einen Regenschauer gibt.

Um das zu erreichen, möchte er viel ausprobieren. Nicht all sein Wissen lässt sich einfach in Afrika umsetzen. Dort fehlt nicht nur der Winter, sondern auch für die Präparate wichtige Kräuter wie Baldrian oder Schafgarbe. „Ich muss recherchieren und die Pflanzen im Senegal finden, die die gleiche Gabe besitzen.“ Es ist eine Herausforderung, die Klaas Sow nicht allein, sondern mit befreundeten Landwirten angehen möchte. Das Grundwissen besitzt er jedenfalls.

Carolin Riemer

FOTO: CAROLIN RIEMER

Artikel der OZ (Lokal Grimmen) vom 27.10.2018