Die Berliner Familie Rennert fand in Bookhagen ein neues Zuhause. Sie sanierte ein altes Fachwerkhaus und bewirtschaftet gut einen Hektar Garten.

Bookhagen. Wenn Alka, die hübsche weiße Pyrenäenberghündin, am Schafgatter steht, wird Chico ungemütlich. Der Schafbock mit den gebogenen Hörnern versteht keinen Spaß. Alka scheint ihm definitiv ein Konkurrent zu sein, was natürlich völliger Unsinn ist. Doch Chico versteht keinen Spaß und wird zum Macho, kommt ein fremder „Bock“ seinen Damen zu nahe. Malte von Putbus dagegen lässt das ganze Drama kalt. Der getigerte Kater hockt auf dem Zaun des Schafgeheges, putzt gelassen seine Pfote.

Marlene Rennert lacht. „Das ist unser Paradies hier“, sagt sie und beschreibt mit ihrer Hand einen Bogen, der alles einschließt – das große Grundstück mit dem Schafgehege, den Hühner- und Kaninchenställen, das alte Fachwerkhaus mit dem Reetdach. Und irgendwie noch ein wenig mehr. Die unglaubliche Weite. Die saubere Luft. Den manchmal knurrigen, aber doch liebenswerten Menschenschlag hier oben im Norden. Seit mehr als 30 Jahren ist das Ehepaar Marlene und Peter Rennert in das Fleckchen Erde in Bookhagen verliebt. Zunächst verbrachten die beiden Hauptstädter nur ihre Wochenenden und ihren Urlaub in dem heute 15-Seelen-Ort. Seit Marlene und Peter Rennert Rentner sind, konnten sie endlich ganz hierher ziehen.

Dass es sie nach Bookhagen verschlug, war Zufall. „Wir haben hier oben ein Haus gesucht“, erzählt Marlene Rennert. Ein Freund machte sie auf eine Annonce in der OSTSEE-ZEITUNG aufmerksam: „Fachwerkhaus in Bookhagen zu verkaufen“. Das bekommen wir nie, sei damals ihr erster Gedanke gewesen. Familie Rennert fragte dennoch nach. Und bekam den Zuschlag. „In fünf Jahren gibt’s das Dorf sowieso nicht mehr“ – das war der Satz, den der damalige Bookhagener Bürgermeister den frisch gebackenen Hauseigentümern damals mit auf den Weg gab. Er sollte sich irren. Zwar ist Bookhagen auf seitdem von etwas mehr als 200 auf 15 Einwohner geschrumpft, tot aber ist der kleine Ort nahe Elmenhorst noch lange nicht.

Trotz der „niederschmetternden Diagnose“ ließen sich Marlene und Peter Rennert ihren Traum vom eigenen Häuschen im Norden nicht madig machen. Liebevoll sanierten sie den kleinen Katen, der ursprünglich für zwei Familien gebaut wurde. Heute sieht dem kleinen Fachwerkhaus niemand mehr an, das irgendwann einmal beinahe in sich zusammengefallen wäre. Noch heute erinnert sich Marlene Rennert voller Dankbarkeit an ihre Nachbarn. „Diese Hilfsbereitschaft der Menschen hier, das war für uns unglaublich“, sagt sie. Und völlig unerwartet. In Berlin, der großen Stadt, da habe man kaum gewusst, wer neben einem wohnt. „Hier war das komplett anders. man machte sich bekannt, man half einander, man feierte zusammen. Für uns als Städter war das faszinierend, so etwas kannten wir einfach nicht. Aber wir genossen es“, so Marlene Rennert.

Dass sie heute keine Nachbarn mehr haben, störe sie nicht weiter. Peu a peu seien die ehemaligen Bookhagener der Arbeit hinterhergezogen. Oder die Älteren den Kindern. Rennerts selbst blieben, kauften irgendwann sogar das Nachbarhaus, bevor es in sich zusammenfallen konnte. Heute dient es als Unterkunft, wenn die Kinder samt Enkel zu Besuch kommen.

Auf dem großen Grundstück können sich die Lütten so richtig austoben, Obstbäume und -Sträucher abräubern oder sich frische Möhren aus der Erde ziehen. „Wir versuchen, uns so weit wie möglich selbst zu versorgen“, sagt Marlene Rennert. 2017 allerdings sei ein verdammt schlechtes Jahr gewesen. „Kaum Obst, keine guten Erträge beim Gemüse“, zählt sie auf. Selbst beim Tiernachwuchs habe es miserabel ausgesehen. „Nur ein Lamm hatten wir dieses Jahr. Ganz wenige Küken. Und auch bei den Kaninchen wollte es mit den Jungtieren nicht klappen. So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Marlene Rennert kopfschüttelnd.

Dennoch, Rennerts möchten ihr Landleben nicht mehr missen. „In Berlin finde ich es mittlerweile gruselig, da könnte ich nicht mehr leben“, sagt die Bookhagenerin. Sie und ihr Mann lieben die Ruhe, die Abgeschiedenheit. Rush hour, so die Ex-Hauptstädter, bedeuteten hier drei Autos auf einen Haufen. Wartezeiten in Ämtern? Gibt es nicht. Alles sei entspannt. „Und wir erleben hier Dinge, die uns in der Stadt nicht passiert wären“, sagt Marlene Rennert und erzählt mit Begeisterung von den Mauerseglern, Moorfröschen, Eidechsen, Schlangen und Hermelinen, die sie hier schon beobachtet haben. „Es ist eben unser Paradies“, sagt sie.


Strom erst seit 1953

Der kleine Ort zwischen Elmenhorst und Kakernehl gelegen, zählt heute 15 Einwohner. 1273 wurde er urkundlich erstmals erwähnt, und zwar in einer Urkunde des Rügenfürsten Witzlaff II. Gegründet wurde er durch Waldrodungen durch das Kloster Neuenkamp. Der Name verweist auf einen reichen Bestand an Buchen (Book) und die Anlage des Ortes als Hagendorf hin.

Die Gemeinden Groß-Elmenhorst, Elmenhorst Dorf und Neu Elmenhorst sowie der Gutsbezirk Bookhagen wurden 1921 zur Gemeinde Elmenhorst zusammengeschlossen. Es dauerte bis ins Jahr 1953, bis Bookhagen an das Stromnetz angeschlossen wurde.

Claudia Noatnick

PS: Bookhagen gehört auch weiter zur Gemeinde Elmenhorst, auch wenn auf dem von der Ostsee-Zeitung „gebastelten“ Ortseingangsschild etwas anderes steht!

 

 

FOTO: CLAUDIA NOATNICK

Artikel der OZ (Lokal Grimmen) vom 18/19.11.2017