In den meisten Gemeinden rund um Grimmen sind die Wählergemeinschaften stark vertreten und hängen zahlenmäßig etablierte Parteien ab. Die Mitglieder sind stolz auf ihre politische Unabhängigkeit und wollen hauptsächlich die Interessen der Bürger vertreten. Nur in einer Gemeinde löst sich nun eine Wählergemeinschaft auf.

Grimmen. Wählergemeinschaften sind in den Kommunen Vorpommerns zu einer festen Größe geworden und bestimmen vielerorts die Geschicke der Gemeinden mit. Doch es gibt immer wieder mal ein Auf und Ab.

Wählergemeinschaft Elmenhorst löst sich auf
Die Wählergemeinschaft Elmenhorst bestand nur noch auf dem Papier. Nach mehr als 15 Jahren löst sich die Wählergemeinschaft in Elmenhorst auf. Petra Skorupski (57), die von Anfang an dabei ist, bedauert diesen Schritt zwar, kann ihn aber auch nachvollziehen. Die einst sehr rege Arbeit der Wählergemeinschaft sei in den vergangenen zwei Jahren nach und nach aus verschiedenen Gründen eingeschlafen und habe zuletzt eigentlich nur noch auf dem Papier bestanden. Viele der 20 Mitglieder hätten das 70. Lebensjahr überschritten, seien gesundheitlich angeschlagen oder aus Elmenhorst weggezogen. Es sei nicht gelungen, die jüngere Generation für die ehrenamtliche Arbeit in der Lokalpolitik zu gewinnen. Nun musste eine Entscheidung getroffen werden. „Seit zwei Jahren haben wir uns nicht mehr getroffen. Was nützt dem Ort ein halb totes Gremium? Deswegen haben wir in einer demokratischen Abstimmung beschlossen, uns zum 1. Juni aufzulösen“, erklärt Petra Skorupski.

Im Jahr 2004 begann die Gemeinschaft sehr kämpferisch in dem Ort zu agieren, denn mit der Arbeit des damaligen Bürgermeisters Wolfgang van Es seien die Mitglieder nicht zufrieden gewesen. Sie wollten einen Gegenpol schaffen. „Wir hatten das Gefühl, es kommt zu Stillstand. Die Interessen der Bürger wurden nicht vertreten und es wurden Fehlentscheidungen getroffen, die die Gemeinde noch heute belasten und sich in unseren Schulden widerspiegeln.“ Mit Karl-Heinz Hopp stellte die Wählergemeinschaft zwei Legislaturperioden lang einen neuen Bürgermeister. Sie sorgte dafür, dass Straßen saniert und das Dorfbild verschönert wurde. Auch seitdem Bürgermeister Rudi Wendorf (CDU) zum Gemeindeoberhaupt gewählt wurde, habe die Wählergemeinschaft gemeinsam mit der CDU den Ort vorangebracht, findet Petra Skorupski: „Es gab nie Gram-Kämpfe. Wir haben immer gut und fair zusammen gearbeitet.“

Auf die Arbeit in der Gemeindevertretung möchte die Forstbeamtin aber nicht verzichten. Deswegen ließ sie sich als Einzelkandidatin für die Gemeindevertretung aufstellen. Die Arbeit als Mitglied im Finanz- und als Vorsitzende des Bauausschusses mache ihr sehr viel Spaß: „Ich bin gern für die Bürger unterwegs und möchte es als Einzelkandidatin noch einmal wissen.“

Zarrendorfer Wählergemeinschaft eindeutig in der Überzahl
Sehr stark ist die Wählergemeinschaft auch in Zarrendorf aufgestellt. Zwar tritt die langjährige Bürgermeisterin Ulrike Graap auch zu dieser Wahl als parteilose Einzelbewerberin an, doch ihr Herausforderer, Christian Röver, gehört zur Wählergemeinschaft. Zahlenmäßig sind diese klar in der Überzahl. Auf der Mandatsliste bewerben sich zwei Kandidaten aus der CDU, ein Kandidat aus der Reihe der Linken und 14 Bewerber aus der Wählergemeinschaft aneinander.

Wittenhagener drängen in den KreistagDie Wählergemeinschaft der Gemeinde Wittenhagen stellt gegenwärtig mit Frederic Beeskow den Bürgermeister und den einzigen Kandidaten für dieses Ehrenamt bei der Wahl am 26. Mai. Elf Kandidaten der Gemeinschaft streben in die Gemeindevertretung. Die Wählergemeinschaft will künftig aber auch in der Kreispolitik mitmischen und hat Beeskow als Kandidat für die Kreistagswahl in Vorpommern-Rügen aufgestellt. „Die Wählergemeinschaft trägt seit vielen Jahren die Hauptverantwortung in unserer Gemeinde“, sagt Frederic Beeskow. „Und das wollen wir auch weiterhin tun. Mit einigen unserer Entscheidungen, wie beispielsweise gegen den Windanlagenbau, wirken wir überregional“, sagt Beeskow. Deshalb sei es an der Zeit, auch überregional Verantwortung zu übernehmen.

17 Bürger für Sundhagen treten an
„Bürger für Sundhagen“ nennt sich die Wählergemeinschaft in der Gemeinde Sundhagen, die mit Hajo Hahn auch den Amtsvorsteher des Amtes Miltzow stellen. Hahn kandidiert jedoch in diesem Jahr nicht wieder. Die „Bürger für Sundhagen“ treten dennoch mit 17 Kandidaten bei der Gemeinderatswahl an. Vor allem der nördlichste Gemeindeteil, und dort besonders der Raum Brandshagen, ist dabei stark vertreten.

Carolin Riemer

FOTO: ANJA KRÜGER

Artikel der OZ (Lokal Grimmen) vom 10.05.2019