Liebe Gemeinde!

Die Lebenssituation des Propheten Elia kommt mir gerade in diesen Wochen sehr nahe. Elia ist in die Wüste gegangen. Um ihn herum ist nichts. Nur Steine und Sand umgeben ihn. Vom Himmel oben brennt die Sonne. Es ist trocken und heiß. Unerträglich! Die Sehnsucht nach Wasser und Schatten ist groß! Elia ist alleine. Mitten in dieser Einöde geht er langsam und in sich gekehrt seinen Weg.

Vielen von uns – so denke ich – ist es in den letzten Wochen ähnlich ergangen. Aus Angst vor dem Corona-Virus und ganz nach dem Motto „Wir bleiben zu Hause“, waren viele von uns auch auf sich geworfen. Manche von uns waren sogar sehr einsam, allein und traurig. Wie bei Elia so war auch unsere Sehnsucht groß: nach Gemeinschaft, nach Begegnung, nach Zeichen menschlicher Nähe. Wie kostbar ist all das! All das, was noch vor kurzem selbstverständlich für uns war!

Elia ist nun weit gegangen. Er muss sich ausruhen, dringend. Irgendwo muss es doch etwas Schatten geben, wo er ruhen und neue Kraft schöpfen kann. Jetzt. Unbedingt. Er legt sich unter einen Busch, kauert sich in dem kleinen Schattenfleck zusammen und schläft ein.

In unserem Zuhause, in dem uns so vertrauten Ort haben wir uns eingerichtet. Für Tage, für Wochen. Ja, da gab es auch Dinge, die angenehm waren und Erholung versprachen. Zeit zum Telefonieren und Briefe schreiben, lange liegen gebliebene Aufgaben zu erledigen (Aufräumen, Sortieren, Abheften usw.). Zeit, mit den Kindern zu spielen. Zeit nachzudenken. Zeit, bei mir selbst wieder anzukommen. Zeit, Atem zu holen. Zeit zu beten.

Elia liegt unter dem Busch und hofft auf neue Kraft. Wo ist seine Lebensenergie geblieben, seine Schaffenskraft, seine Begeisterung, sein Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten. Immer tiefer wird seine Seele wie in ein dunkles Loch gezogen. Immer stärker wird er von Mutlosigkeit, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit ergriffen.

„Wann können wir uns endlich wiedersehen?“ – „Ich habe meine Familie seit 8 Wochen nicht mehr treffen können?“ – „Unsern Vater können wir im Altenheim nicht mehr besuchen!“ – „Mein Kind musste ich gestern alleine zur Welt bringen, mein Mann durfte nicht mit ins Krankenhaus!“ – „Die Schulaufgabenbetreuung zu Hause ist so anstrengend. Ich glaube, ich schaffe das nicht mehr!“ – „Wenn das so weiter geht, wird unser Betrieb nicht überleben. Wirtschaftlich schaffen wir diese fehlenden Aufträge und ausbleibenden Einnahmen nicht länger!“

Da geschah es:
Fast wie durch ein Wunder kommt Hilfe. Zart und behutsam nähert sich diese himmlische Macht. Vorsichtig tippt sie den ganz in sich versunkenen Elia an. Ein Engel der HERRN steht an seiner Seite. Entschlossen und klar fordert er Elia auf: „Steh auf und iss!“ – Vier erlösende Worte, die nicht lange fragen, sondern klar und unmissverständlich auffordern: „Löse dich aus deiner Dunkelheit. Tritt heraus aus deiner Einsamkeit. Greif zu und stärke dich.“ Und gleich knüpft der Engel des HERRN auch noch die Begründung an: „Denn du hast einen weiten Weg vor dir!“ – Dass da schon ein weiter Weg hinter Elia liegt, scheint hier gar nicht zu interessieren. Der Blick geht nach vorne. Der Auftrag ist klar: Es geht weiter! DU gehst weiter! Gestärkt! Erfüllt! Begleitet!

Möge uns diese überraschende und unverhoffte Gottesbegegnung auch geschenkt werden. Das wünsche ich uns allen. Mögen wir auch von der Kraft und der Liebe Gottes angerührt und gestärkt werden. Und mögen wir den Weg, der nun vor uns liegt begleitet, gesegnet und in Hoffnung gehen. Das schenke uns Gott. Amen

Bleiben Sie alle gesund, behütet und beschützt! Im Namen des Kirchengemeinderates grüßt Sie

Ihre Pastorin Viviane Schulz

Den Gemeindebrief könnt ihr jederzeit auch über die Seite der Evangelischen Kirchengemeinde einsehen oder runterladen.